Dialog über Availability



User 1: Wie geht es dir? Hab ich dich gefragt.

User 2: Mir geht es irgendwie. Hab ich dir gesagt.Schon zum zweiten Mal. Ja, zum zweiten Mal. Hab ich dir gesagt.

User 1: Hast du.

User 2: Ja, hab ich.

User 1: Hast du, ja.

User 2: Ja.

User 1: Männlich oder weiblich?

User 2: Ist doch egal.

User 1: Mir nicht.

User 2: Mir schon.

User 1: Und jetzt?

User 2: Was soll jetzt sein?

User 1: Na, was suchst du hier?

User 2: Kann ich hier was finden?

User 1: Das hängt von dir ab.

User 2: Ich habe nicht gesagt, dass ich was suche.

User 1: Das hast du nicht.

User 2: Das hab ich nicht.

User 1: Ja.

User 2: Ja.

User 1: Also nochmal von vorne.

User 2: Ernsthaft?

User 1: Ja. Sonst würde ich es nicht sagen.

User 2: Wir haben doch schon.

User 1: Nichts haben wir bisher.

User 2: Was kannst du denn bieten?

User 1: Wie? Jetzt doch?

User 2: Was?

User 1: Auf der Suche?

User 2: Ich habe gefragt, was du bieten kannst. Sonst brauche ich gar nicht mit Suchen anfangen.

User 1: Du machst es dir ja einfach.

User 2: Du machst es mir immer leichter.

User 1: Was?

User 2: Loszulassen.

User 1: Wen?

User 2: Alle. Alles.

User 1: Ich versteh nicht.

User 2: Anders hätte ich es nicht erwartet.

User 1: Ich versteh nicht.

User 2: Eben.

User 1: Sag mir doch, was Sache ist.

User 2: Okay.

User 1: Ich…

User 2: Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wäre das, was wir beide, jetzt, hier, in diesem Moment, was wir beide hätten, wenn wir denn was hätten, wie das wäre, wäre das wirklich, also, wäre das echt?

User 1: Das ist mir zu hoch.

User 2: Du wolltest wissen, was Sache ist.

User 1: Ich fragte, was du hier suchst.

User 2: Genau.

User 1: Ich verstehe nicht.

User 2: Ich will nicht, dass du verstehst. Ich will, dass du zuhörst. Kannst du das?

User 1: Ich…

User 2: Weißt du, ob meine Eltern noch leben?

User 1: Nein.

User 2: Weißt du, ob ich jemals betrogen wurde?

User 1: Nein.

User 2: Habe ich Krebs?

User 1: Ich hoffe nicht.

User 2: Es ist dir scheißegal.

User 1: Nein, ich will, dass es dir gut geht.

User 2: Es ist dir scheißegal.

User 1: Nein, das stimmt doch gar nicht. Ich will doch nicht,           dass du Krebs hast.

User 2: Okay, wie ist mein Name?

User 1: 30jahremenschenrechte.

User 2: Das ist nicht mein fucking Name, das ist mein Benutzername, den Namen, den ich benutze, um dich kennenzulernen.

User 1: Ja oder irgendjemand anderen.

User 2: Nein. Genau dich.

User 1: Warum mich?

User 2: Weil du als allererstes geschrieben hast.

User 1: Hast du wirklich Krebs?

User 2: Ja.

User 1: Warum sollte ich dir glauben?

User 2: Warum denn nicht?

User 1: Weil ich dich nicht kenne.

User 2: Meine Rede.

User 1: Das hier… das alles hier.. das ist doch…

User 2: Nicht echt? Du glaubst also ernsthaft, ich bin nicht echt? Das Foto, du siehst doch das Foto?

User 1: Ja.

User 2: Wie findest du es?

User 1: Gut, es ist ein schönes Foto.

User 2: Wie findest du mich? Auf dem Foto?

User 1: Du bist schön.

User 2: Das auf dem Foto bin nicht ich. Findest du mich immer noch schön?

User 1: Ja.

User 2: Aber ich bin das nicht auf dem Foto. Ich bin das nicht.

User 1: Ich finde es trotzdem schön.

User 2: Das bin nicht ich.

User 1: Aber es ist ein schönes Foto.

User 2: Weißt du was?

User 1: Nein, was?

User 2: Du darfst nicht gehen.

User 1: Ich gehe doch nicht.

User 2: Du darfst nie gehen.

User 1: Wie nie?

User 2: Was ist denn bitte daran so schwer zu verstehen, dass du nie gehen darfst? Du musst bleiben. Für immer.

User 1: Und wenn ich doch gehe?

User 2: Dann sterbe ich.

User 1: Aber irgendwann muss ich gehen.

User 2: Dann ist es deine Schuld, wenn ich sterbe.

User 1: Nicht, wenn du Krebs hast.

User 2: Du stirbst auch, wenn du keinen Krebs hast.

User 1: Aber ich darf doch gehen und kommen, wann ich will.

User 2: Ich habe nicht gesagt, dass du nicht darfst.

User 1: Genau das hast du gesagt. Du darfst nie gehen.

User 2: Du darfst natürlich gehen, aber nicht, wenn du nicht willst, dass ich sterbe. Willst du, dass ich sterbe?

User 1: Du hast gesagt man stirbt sowieso.

User 2: Ich habe gesagt, dass du auch stirbst, wenn du keinen Krebs hast. Ich aber sterbe, wenn du gehst. Willst du, dass ich sterbe?

User 1: Nein. Natürlich will ich nicht, dass du stirbst.

User 2: Aber du kennst mich doch gar nicht. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn ich sterbe. Je nachdem, was ich für eine Person bin.

User 1: Ich will nicht, dass du stirbst. Ich will nicht, dass egal wer es ist, stirbt. Ich will, dass du lebst, dass wir alle leben.

User 2: Du willst ganz schön viel.

User 1: Und du? Was willst du?

User 2: Ich will jetzt gehen.


LOCKER RUF, 2019. LUC SPADA, ANNICK SCHADECK.